ARD

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Logo der ARD

ARD ist die Abkürzung für „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ und wurde 1950 gegründet. Die ARD veranstaltet als Gemeinschaftsprogramm den Fernsehsender Das Erste sowie jeweils eigene Fernseh- und Hörfunksender aus den neun deutschen Landesrundfunkanstalten, die in diesem Verbund zusammengeschlossen sind. Zehntes Mitglied der ARD ist die Deutsche Welle (DW), die deutsche Auslandsrundfunkanstalt.

Inhaltsverzeichnis

Mitglieder

Neben dem Auslandsrundfunk der Bundesrundfunkanstalt Deutsche Welle sind die neun Landesrundfunkanstalten Mitglied der ARD.

Rundfunkanstalt Abk. Sitz Gründungs-
jahr
Hauptsendegebiet / Regionalprogramme
Bayerischer Rundfunk BR München 1949 Bayern
Deutsche Welle DW Bonn 1953 Ausland
Hessischer Rundfunk hr Frankfurt am Main 1948 Hessen
Mitteldeutscher Rundfunk mdr Leipzig 1991 Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Norddeutscher Rundfunk NDR Hamburg 1955 Hamburg (seit 1955), Mecklenburg-Vorpommern (seit 1991), Niedersachsen (seit 1955), Schleswig-Holstein (seit 1955)
Radio Bremen RB Bremen 1945 Bremen
Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb Berlin, Potsdam 2003 Berlin, Brandenburg
Saarländischer Rundfunk SR Saarbrücken 1957 Saarland
Südwestrundfunk SWR Stuttgart, Mainz, Baden-Baden 1998 Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz
Westdeutscher Rundfunk WDR Köln 1955 Nordrhein-Westfalen

Organisation

Die ARD ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Rundfunkanstalten. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich 1950 eine Satzung, die durch den Rundfunkstaatsvertrag ergänzt wird. In dieser Satzung wird die Arbeit und Organisation der ARD geregelt. Demnach hat die ARD als Hauptorgan eine Mitgliederversammlung. Diese findet in Form von Arbeitssitzungen der Intendanten der Mitglieder statt. Ferner gibt es noch Hauptversammlungen, an denen auch die Vorsitzenden der Aufsichtsgremien (Rundfunk- und Verwaltungsratsvorsitzende etc.) teilnehmen.

Die Mitgliederversammlung betraut jeweils für ein Jahr eine ihrer Rundfunkanstalten mit der Geschäftsführung der ARD. Der Intendant dieser geschäftsführenden Rundfunkanstalt ist in dieser Zeit Vorsitzender der ARD. Die Wiederwahl für ein weiteres Jahr ist möglich und inzwischen auch üblich. Nach Gründung der ARD im Juni 1950 wurde am 5. August der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Rudolf von Scholtz, erster ARD-Vorsitzender. Auf ihn folgte zunächst HR-Intendant Eberhard Beckmann, dann der Intendant des damaligen NWDR, Adolf Grimme.

Die Vorsitzenden der ARD

Generalsekretär

Der Generalsekretär ist dem jeweiligen, alle zwei Jahre wechselnden ARD-Vorsitzenden unterstellt und verantwortlich für

  1. die strategische Positionierung der ARD,
  2. die Interessenvertretung nach außen und
  3. die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Dienstort des Generalsekretärs ist Berlin. Verwaltungstechnisch zuständig ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Die Amtszeit beträgt fünf Jahre.

Der Generalsekretär ist zugleich der stellvertretende Vorsitzende der ARD-Strategiegruppe. Er hat ein Zutritts- und Mitwirkungsrecht in allen Kommissionen und Arbeitsgruppen, auch bei den Tochterunternehmen, in der Fernsehprogrammkonferenz und den ARD-politisch relevanten Gremien.

Gemeinsame technische Einrichtungen

Das Programm von Das Erste und gemeinsame Programmteile des Hörfunks (z. B. ARD-Nachtexpress) werden technisch im Sendezentrum der ARD im „ARD-Stern“ in Frankfurt am Main (auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks) zusammengeführt. Über das eigene Glasfasernetz HYBNET werden diese Signale an die einzelnen Rundfunkanstalten verteilt.

Seit Februar 2005 wird Das Erste von der Zentralen Sendeabwicklung (ZSAW) im ARD-Sendezentrum ausgespielt. Zuvor schaltete jeweils die ARD-Anstalt, die eine Sendung ins Gemeinschaftsprogramm einbrachte (egal ob „live“ oder aufgezeichnet), eine Leitung zum ARD-Stern, von wo aus das Signal an alle anderen ARD-Sender zur terrestrischen Verteilung weitergegeben wurde. Mit der Inbetriebnahme der ZSAW wurden erstmals alle Sendungen, die nicht „live“ sind (Filme, Soaps, Dokumentationen etc.) direkt von den Servern in Frankfurt ausgespielt. Die ZSAW ist eine Gemeinschaftseinrichtung der Landesrundfunkanstalten und soll im Sendebetrieb deutliche Einsparungen bringen.

Gemeinsame Programme der ARD

Inhaltliche Gemeinschaftseinrichtungen der ARD sind beispielsweise ARD-Aktuell beim NDR in Hamburg, das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin oder das ARD digital-Zentrum beim RBB in Potsdam. Zudem besitzt die ARD ein eigenes weltweites Korrespondentennetz (Auslandsstudios).

Das Erste

Seit dem 31. Oktober 1954 sendet die ARD das später als Erstes Deutsches Fernsehen und heute offiziell als Das Erste bezeichnete Fernsehprogramm als Gemeinschaftsproduktion der einzelnen Landesrundfunkanstalten.

Weitere Fernsehsender

Die Landesrundfunkanstalten der ARD betreiben gemeinsam die Fernsehkanäle 3sat (gemeinsam mit ZDF, SRG und ORF), KI.KA, Phoenix (beide in Zusammenarbeit mit dem ZDF), ARTE (Kooperation mit dem ZDF und ARTE France) und ARD digital.

Das deutsche Fernsehprogramm für das Ausland wird von DW-TV der Deutschen Welle gesendet. Bis Ende 2005 betrieb die ARD gemeinsam mit dem ZDF und der Deutschen Welle für Nordamerika zusätzlichen den Bezahlsender German TV.

Hörfunk

Im Hörfunkbereich bestehen drei gemeinsame ARD-Nachtprogramme, der ARD-Nachtexpress, das ARD-Nachtkonzert und die ARD-Popnacht.

Die ARD veranstaltet das Auslandsradio Deutsche Welle.

Die ARD trägt, gemeinsam mit dem [ZDF und allen 16 deutschen Ländern, die öffentlich-rechtliche Körperschaft Deutschlandradio (DLR) mit den beiden nationalen Hörfunkprogrammen Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk.

Deutsches Rundfunkarchiv

Als Gemeinschaftseinrichtung der ARD wurde bereits 1952 das Deutsche Rundfunkarchiv (Frankfurt a. M., damals das Deutsche Lautarchiv) eingerichtet. Es bietet den ARD-Rundfunkanstalten (und auch der interessierten Öffentlichkeit) ein in der Welt einzigartig erschlossenes Archiv der Bild-, Ton- und Schriftdokumente.

Anekdote

Auch in der DDR konnte das Programm der ARD empfangen werden, außer in bestimmten östlichen Regionen, wie z. B. dem Elbetal in der Sächsischen Schweiz, weswegen die Abkürzung „ARD“ scherzhaft als „Außer Raum Dresden“ interpretiert und die Region auch „Tal der Ahnungslosen“ genannt wurde.

Natürlich konnten auch in diesen Gebieten die über Lang-, Mittel- und Kurzwelle verbreiteten Hörfunkprogramme der ARD empfangen werden. Insbesondere das über den Langwellensender Donebach ausgestrahlte Programm des Deutschlandfunks war und ist im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR sehr leicht zu empfangen.

Ferner machte in den Achtziger Jahren folgender Spruch die Runde: wer A sagt, muss auch B sagen. Was folgt daraus? Wer ARD sagt, muss auch BRD sagen.

Ergänzung Rundfunkwiki

Die Autorin Kathrin Müderler schreibt auf der Homepage der Deutschen Welle über die Gründung der ARD 1950:

Im Sommer 1950 erschien folgende Nachricht in der Tagespresse: "Die in Bremen durchgeführte Tagung der Rundfunk- und Verwaltungsräte, der Intendanten, der Verwaltungsdirektoren und Juristen fand ihren Abschluss. Auf der Tagung wurde als bedeutsamstes Ergebnis die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten einstimmig beschlossen."

Damit waren die Rundfunkanstalten der einzelnen Länder der jungen Bundesrepublik gemeint. Das Medium Rundfunk selbst war damals noch keine 30 Jahre alt. Was seine Organisation betraf, hatte es aber schon verschiedene Entwicklungsstufen hinter sich.

Während der Weimarer Republik bestritten private regionale Sendegesellschaften das Radioprogramm, die Kontrolle lag in der Hand der Zentralen Reichsrundfunkgesellschaft. Dahinter verbarg sich die Post. Ab 1933 war der Rundfunk dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Diese Behörde lenkte den nationalsozialistischen Einheitsrundfunk.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zerschlugen die Alliierten die bisherige Rundfunkorganisation. Ihr Ziel war, einen Rundfunk in Deutschland aufzubauen, der nicht mehr als staatliches Propagandaorgan missbraucht werden konnte. Edmund Schächter war damals US-amerikanischer Kontrolloffizier bei Radio München. Er fasste die Idee zusammen:

Edmund Schächter: "Die Radiostationen sollen unserer Auffassung und tiefsten Überzeugung nach nicht mehr Sprecher und Organ der jeweiligen Regierung sein. Die Radiostationen sollen alle Schichten des Volkes vertreten und allen Gruppen und Parteien die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu sagen."

Voraussetzung dafür war, dass Rundfunk nicht mehr zentral organisiert werden durfte. Der Schlüssel lag in der politischen Neustrukturierung Westdeutschlands. Die Bundesrepublik Deutschland entstand, die Kulturhoheit wurde nicht in die Hand des Bundes, sondern in die Hand der einzelnen Länder gelegt. Die Bundesländer unterhalten Rundfunkanstalten, die ihre Programmgestaltung selbständig verantworten. Diese Landesrundfunkanstalten beschlossen am 9. Juni 1950, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. In der Tagespresse konnte man damals lesen:

Zitat: "Die Aufgabe der neuen Arbeitsgemeinschaft wird es sein, Probleme zu lösen, die die Sender gemeinsam berühren. Sie bedeutet aber keinen Eingriff in die Unabhängigkeit der Geschäftsführung der einzelnen Rundfunkanstalten."

Zu den gemeinsamen Aufgaben gehört zum Beispiel ein Finanzausgleich, der die kleinen finanzschwachen Sender an den Umsätzen der finanzstarken Sender beteiligt. Eine andere zentrale Aufgabe ist der Programmaustausch innerhalb der Gemeinschaft.

Gründungsmitglieder der "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland", kurz ARD, waren der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, Radio Bremen, der Süddeutsche Rundfunk, der Südwestfunk und der Nordwestdeutsche Rundfunk. Hans Bausch war langjähriger Intendant des Süddeutschen Rundfunks und dreimal Vorsitzender der ARD. Er sagt über die Anfänge:

Hans Bausch: "Die Gründung der ARD könnte man mit den Worten charakterisieren: So wenig Einheit wie möglich!"

Gründungsmitglieder beschrieben die junge ARD damals als lockeren Zusammenschluss mit Vereinscharakter. Das wäre sie vielleicht auch geblieben, hätte sie nicht schon bald eine ernste Probe bestehen müssen. Die mühevoll gesicherte Unabhängigkeit des Rundfunks war in Gefahr. Rundfunk war bis dahin gleichbedeutend mit Hörfunk. Aber Weihnachten 1952 hatte das Fernsehen seinen Betrieb aufgenommen.

Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer witterte die Gelegenheit, über das Fernsehen die Rundfunkhoheit wieder in die Hand des Bundes zu bekommen. Im Frühjahr 1953 legte er einen Gesetzentwurf zur Gründung einer staatlichen Fernsehanstalt vor. Das Gesetz konnte zwar verhindert werden, aber Eile war geboten. Auch das Fernsehen musste schleunigst in die Statuten der ARD einbezogen werden. Ein Fernsehvertrag wurde erarbeitet. Fritz Eberhard, ehemaliger Intendant des Süddeutschen Rundfunks, berichtet:

Fritz Eberhard: "Die ARD hat ihre Bewährungsprobe bestanden beim Abschluss des Fernsehvertrages im März 1953. Dieser Vertrag musste zwischen einer zentralistischen und einer föderalistischen Lösung die Mitte halten. Es musste also eine enge Zusammenarbeit stattfinden, und gleichzeitig musste die Unabhängigkeit der einzelnen Anstalten gewahrt bleiben. Wir fanden zwei Regelungen dafür: Erstens: Hatten wir eine ständige gemeinsame Programmkonferenz, in der jede Anstalt einen Vertreter sitzen hatte. Und zweitens hatten wir die Regelung: Jede Anstalt hat das Recht, aus dem Gemeinschaftsprogramm abzuschalten, wenn sie glaubt, eine einzelne Sendung nicht verantworten zu können."

Praktisch heißt das, die ARD strahlt seit damals ein gemeinsames Fernsehprogramm aus. Es trägt den Namen "Erstes Deutsches Fernsehen". Je nach Landesgröße haben die einzelnen ARD-Anstalten einen bestimmten Anteil zum gemeinsamen Programm zu liefern. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist neben dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg noch der Mitteldeutsche Rundfunk zur ARD hinzugekommen.

Mitte der 1960er Jahre bekam die ARD mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF öffentlich-rechtliche Konkurrenz. Seit Mitte der 1980er Jahre bemühen sich auch zahllose private Sender um die Zuhörer und Zuschauer. Die erfolgreichste Sendung der ARD ist gleichzeitig ihre älteste. Seit 1952 tönt es täglich um 20.00 Uhr in Millionen von Wohnzimmern:

"Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau."

Text: Kathrin Müderler

Literatur

Weblinks

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