Vom Telefon zum Mikrofon
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Jeden Mittwoch Abend ab 20.20 Uhr, beginnend mit "Happy Time" von Peter Mösser's Music, versammelte das Programm SWF1 mit der Wunschsendung Vom Telefon zum Mikrofon Millionen von Hörern vor dem Radio. Das auch vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart übernommene Programm erreichte durch seine Ausstrahlung auf UKW, der Mittelwelle sowie im 41-m- und 49-m-Kurzwellen-Band Fans in beinahe der ganzen Welt.
Geschichte
Die Machart der Kultsendung war im Grundsatz denkbar einfach: Ein Moderator im Studio präsentierte die Wünsche der Hörer und führte mit einigen ausgewählten „Wünschern“ zum Teil ausgedehnte Telefoninterviews über Gott und die Welt. Die Musikfarbe lag – bedingt durch die Heterogenität der Hörerwünsche– zwischen Opernarien, Bata Illic (oft wurde „Dich erkenn’ ich mit verbund’nen Augen“ gespielt), bekannten Instrumentals und softem Pop. Da andererseits nicht nur auf dem Postwege eingegangene, sondern auch telefonische Wünsche aus der jeweils laufenden Sendung berücksichtigt wurden, war hinter den Kulissen doch ein großer Aufwand mit zusätzlichen Telefonisten, Musikredakteuren und Aushilfen, die ständig zwischen Telefonzentrale, Schallarchiv und Studio hin- und herpendelten, notwendig.
Die Hörerreaktionen waren bald nach Sendestart schon so überwältigend, dass man sich in der Redaktion ein Filtersystem einfallen lassen musste, um einerseits nicht von den Waschkörben voller Post erschlagen zu werden, andererseits die Telefonanlage vor Überlastung zu schützen. (Aus diesem Grunde war für die Hörerwünsche, obwohl die Sendung in Baden-Baden produziert wurde, eine Telefonnummer in Ludwigshafen geschaltet. Zur damaligen Zeit [ab etwa 1970] unterhielt die Deutsche Bundespost nur dort eine derart leistungsfähige Ortsvermittlungsstelle.) Recht bald erfand man daher die Regel, dass sich immer nur ein bestimmter Personenkreis am Wunschkonzert aus Baden-Baden beteiligen durfte. So konnten z.B. das eine Mal Funkamateure ihre Wünsche äußern, dann z.B. „Hörer, die Schrammeln spielen können oder ein solches Instrument vielleicht gebaut haben, aus Karton und Draht“, was natürlich dann auch via Telefon in der Sendung unter Beweis gestellt werden musste.
Da aber trotz der Sendelänge von knapp vier Stunden bei weitem nicht alle Hörerwünsche erfüllt werden konnten, gab es alle vier Wochen eine so genannte „Aufwaschsendung“, in der bei spartanischer Moderation und unter Verzicht auf Telefongespräche mit den Hörern Titel nach Titel abgefeiert wurde.
1971 wurde Heinz Siebeneicher von den Hörern mit absoluter Mehrheit zum beliebtesten Moderator der Sendung „Vom Telefon zum Mikrofon“ gewählt.
Die Erkennungsmelodie von „Vom Telefon zum Mikrofon“ war identisch mit der bis heute beliebtesten Unterlegmusik der Lottozahlenziehung aus Frankfurt: „Happy Time“ von Peter Mössers Music.
Eine zeitlang wurde "Vom Telefon zum Mikrofon" später auf SWF1 von 18.05 Uhr bis 19.30 Uhr ausgestrahlt.
In den 90er-Jahren und im Zuge der Senderreform (Zusammenschluss von SDR und SWF zum SWR), wurde „Vom Telefon zum Mikrofon“ auf Stundenformat gestutzt und jeden Werktag am frühen Nachmittag gesendet. Damit war das alte, legendäre Wunschsendungsformat sowie der Name „Vom Telefon zum Mikrofon“ aus Baden-Baden endgültig gestorben.
Moderatoren
- 1970 – Dorothee Boschen, Karl Heinz Wegener
- 1971 – Lothar Dombrowski
- 1972 – Lothar Dombrowski, Heinz Siebeneicher
- 1973 – Lilo Winter, Rolf Klein, Heinz Siebeneicher
- 1974 – Klaus Langer, Karl Heinz Wegener
- 1975 – Rolf Klein, Heinz Siebeneicher
- 1976 – Gerd Andresen, Heinz Siebeneicher
- 1977 – Rolf Klein, Klaus Langer
- 1978 – Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener
- 1979 – Rolf Klein, Klaus Langer, Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener
- 1980 – Rolf Klein, Klaus Langer, Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener
- 1981 – Rolf Klein, Klaus Langer, Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener
- 1982 – Rolf Klein, Klaus Langer, Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener
- 1983 – Sigi Harreis, Dieter Thomas Heck, Karl Rudolf Menke, Karl Heinz Wegener
- 1984 – Sigi Harreis, Dieter Kurze, Karl Rudolf Menke, Dieter Thomas Heck
- 1985 – Sigi Harreis, Rolf Dienewald, Dieter Thomas Heck, Dieter Kurze, Fred Metzler
- 1986 – Sigi Harreis, Rolf Dienewald, Dieter Thomas Heck, Fred Metzler
- 1987 – ...
- 1988 – ...
- ...
- 1998 – ...
(* außerdem auch der Schlagersänger Benrd Clüver - Moderationsdaten leider unbekannt)
